Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027

 

Staatlich gefördert vorsorgen – mit mehr Auswahl, Renditechancen und Flexibilität

Die private Altersvorsorge in Deutschland wird grundlegend reformiert. Ab dem 1. Januar 2027 sollen neue staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte angeboten werden. Im Mittelpunkt steht das neue Altersvorsorgedepot.

Anders als bei der bisherigen Riester-Rente können Anleger künftig stärker am Kapitalmarkt investieren und dabei – je nach gewählter Variante – vollständig auf eine Beitragsgarantie verzichten.

Gleichzeitig bleiben sicherheitsorientierte Produkte mit Garantien möglich. Dadurch entsteht eine neue Produktwelt mit unterschiedlichen Chancen, Risiken und Kosten.

Die drei wesentlichen Varianten sind:

  1. das individuelle Altersvorsorgedepot,
  2. das kostengedeckelte Standarddepot,
  3. das Altersvorsorgeprodukt mit Garantie.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem von der persönlichen Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont, dem Alter, der familiären Situation und dem gewünschten Maß an Sicherheit ab.

 

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Vertrag für die private Altersvorsorge. Innerhalb des Vertrags kann das eingezahlte Kapital in Wertpapiere wie Fonds, ETFs und weitere zugelassene Kapitalanlagen investiert werden.

Während bei bisherigen Riester-Verträgen grundsätzlich eine Beitragsgarantie vorgeschrieben war, kann das neue Altersvorsorgedepot vollständig ohne Garantie geführt werden. Dadurch kann ein größerer Teil der Beiträge tatsächlich am Kapitalmarkt investiert werden.

Das bietet höhere langfristige Renditechancen. Gleichzeitig sind Wertschwankungen und zwischenzeitliche Verluste möglich.

Die Reform wurde im Frühjahr 2026 beschlossen und trat Ende Mai 2026 in Kraft. Die praktische Einführung der neuen Produkte erfolgt zum 1. Januar 2027.

Die drei Arten der neuen geförderten Altersvorsorge

1. Das individuelle Altersvorsorgedepot

Beim individuellen Altersvorsorgedepot erhalten Anleger den größten Gestaltungsspielraum.

Je nach Angebot des jeweiligen Anbieters können sie selbst entscheiden, in welche zugelassenen Fonds, ETFs oder anderen Wertpapieranlagen investiert werden soll.

Typische Merkmale

  • keine gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie,
  • individuelle Auswahl der verfügbaren Kapitalanlagen,
  • hohe Aktienquote grundsätzlich möglich,
  • Anlage in Fonds und ETFs,
  • Umschichtungen innerhalb des Depots möglich,
  • staatliche Zulagen und steuerliche Förderung,
  • steuerfreie Erträge während der Ansparphase,
  • Wertschwankungen und Verlustrisiken möglich.

Die Vorteile

Der größte Vorteil liegt in den langfristigen Renditechancen. Da keine Beitragsgarantie finanziert werden muss, kann das Kapital stärker in Aktien und andere renditeorientierte Anlagen investiert werden.

Besonders bei langen Laufzeiten kann sich dieser Unterschied erheblich auf das spätere Altersvorsorgevermögen auswirken.

Außerdem kann die Geldanlage besser an die persönliche Situation angepasst werden. Beispielsweise kann in jungen Jahren eine hohe Aktienquote gewählt und das Risiko vor dem geplanten Rentenbeginn schrittweise reduziert werden.

Die Nachteile und Risiken

Eine Garantie auf die eingezahlten Beiträge besteht nicht. Der Vertragswert kann deshalb schwanken und zeitweise auch unter den eingezahlten Beiträgen liegen.

Ungünstige Börsenentwicklungen kurz vor Beginn der Auszahlungsphase können das verfügbare Kapital reduzieren. Deshalb sind eine passende Anlagestrategie, eine breite Streuung und ein rechtzeitiges Ablaufmanagement besonders wichtig.

Für wen kann das individuelle Altersvorsorgedepot geeignet sein?

Das individuelle Depot kann insbesondere interessant sein für Menschen,

  • die noch einen langen Zeitraum bis zum Ruhestand haben,
  • die Wertschwankungen aushalten können,
  • die höhere Renditechancen suchen,
  • die ihre Geldanlage aktiv auswählen möchten,
  • die bereits Erfahrungen mit Fonds oder ETFs besitzen,
  • die ihre Altersvorsorge individuell gestalten möchten.

2. Das Standarddepot

Das Standarddepot richtet sich insbesondere an Menschen, die die Vorteile einer kapitalmarktorientierten Altersvorsorge nutzen möchten, ohne selbst aus einer Vielzahl von Fonds und ETFs auswählen zu müssen.

Es handelt sich um ein stark vereinfachtes und standardisiertes Altersvorsorgeprodukt.

Beim Standarddepot dürfen nur zwei vom Anbieter vorgegebene Fonds bespart werden. Außerdem müssen Anbieter einen Onlineabschluss ermöglichen. Die Effektivkosten des Standarddepots sind gesetzlich auf maximal 1 Prozent pro Jahr begrenzt.

Typische Merkmale

  • vereinfachte Produktauswahl,
  • höchstens zwei vorgegebene Fonds,
  • Onlineabschluss muss möglich sein,
  • Effektivkosten von maximal 1 Prozent pro Jahr,
  • keine individuelle Auswahl aus einer großen Fondspalette,
  • staatliche Zulagen und steuerliche Förderung,
  • grundsätzlich kapitalmarktorientierte Anlage,
  • je nach Ausgestaltung Wertschwankungen möglich.

Die Vorteile

Das Standarddepot soll einfacher verständlich und leichter vergleichbar sein als viele bisherige Altersvorsorgeprodukte.

Durch die begrenzte Fondsauswahl müssen Anleger keine umfangreichen Anlageentscheidungen treffen. Gleichzeitig können sie an den langfristigen Chancen des Kapitalmarkts teilnehmen.

Die gesetzliche Kostenbegrenzung soll verhindern, dass übermäßig hohe Vertrags-, Verwaltungs- oder Vertriebskosten einen großen Teil der Rendite aufzehren.

Die Nachteile und Grenzen

Die Auswahlmöglichkeiten sind deutlich geringer als beim individuellen Altersvorsorgedepot.

Der Anleger kann nicht frei aus einer umfangreichen Palette von ETFs und Fonds wählen. Damit hängt das Ergebnis wesentlich davon ab, welche beiden Fonds der jeweilige Anbieter für sein Standarddepot festlegt.

Auch ein Standarddepot ist nicht automatisch risikolos. Besteht keine Beitragsgarantie, kann der Vertragswert schwanken und es können Verluste entstehen.

Für wen kann das Standarddepot geeignet sein?

Das Standarddepot kann insbesondere interessant sein für Menschen,

  • die eine einfache Lösung suchen,
  • die sich nicht selbst um die Fondsauswahl kümmern möchten,
  • die eine transparente Kostenobergrenze wünschen,
  • die langfristig am Kapitalmarkt investieren möchten,
  • die keinen umfangreichen Beratungs- oder Verwaltungsaufwand wünschen.

3. Das Altersvorsorgeprodukt mit Garantie

Auch nach der Reform wird es weiterhin Altersvorsorgeprodukte mit garantierten Leistungen geben.

Bei diesen Produkten kann zwischen unterschiedlichen Garantieniveaus gewählt werden. Vorgesehen sind insbesondere Produkte mit einer Garantie von 80 Prozent oder 100 Prozent des zugesagten Kapitals beziehungsweise der maßgeblichen Beiträge zum Beginn der Auszahlungsphase.

Typische Merkmale

  • wählbares Garantieniveau,
  • höhere Planungssicherheit,
  • geringeres Verlustrisiko zum vereinbarten Rentenbeginn,
  • eingeschränktere Aktien- und Kapitalmarktanlage,
  • geringere Renditechancen als bei einem vollständig garantiefreien Depot,
  • staatliche Zulagen und steuerliche Förderung,
  • mögliche lebenslange oder zeitlich befristete Rentenzahlung.

Die Vorteile

Eine Garantie bietet Sicherheit und erleichtert die Planung. Anleger wissen, welcher Mindestbetrag ihnen zum vereinbarten Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung stehen soll.

Insbesondere Menschen mit geringer Risikobereitschaft können dadurch vermeiden, dass ein starker Kapitalmarktrückgang unmittelbar vor dem Ruhestand zu erheblichen Verlusten führt.

Die 80-Prozent-Garantie kann dabei einen Mittelweg darstellen: Ein wesentlicher Teil des Kapitals wird abgesichert, während gleichzeitig mehr Spielraum für eine renditeorientierte Anlage bestehen kann als bei einer vollständigen 100-Prozent-Garantie.

Die Nachteile

Garantien sind nicht kostenlos.

Damit ein Anbieter eine Garantie darstellen kann, muss ein Teil des Kapitals sicherheitsorientiert angelegt werden. Dieses Kapital steht nicht oder nur eingeschränkt für renditestärkere Anlagen zur Verfügung.

Je höher die Garantie, desto geringer können deshalb die langfristigen Renditechancen ausfallen.

Gerade bei langen Vertragslaufzeiten kann eine sehr hohe Garantie dazu führen, dass die Altersvorsorge weniger stark vom Wachstum der weltweiten Kapitalmärkte profitiert.

Für wen kann ein Garantieprodukt geeignet sein?

Ein Produkt mit Garantie kann insbesondere interessant sein für Menschen,

  • die Wertschwankungen nur schwer aushalten,
  • die eine bestimmte Mindestleistung benötigen,
  • die sich bereits näher am Rentenbeginn befinden,
  • die Planungssicherheit höher gewichten als maximale Renditechancen,
  • die bewusst zwischen einer 80- und einer 100-Prozent-Garantie wählen möchten.

    Die drei Varianten im direkten Vergleich

    Merkmal Individuelles Altersvorsorgedepot Standarddepot Garantieprodukt
    Kapitalgarantie Nein Je nach Ausgestaltung keine Garantie 80 oder 100 Prozent
    Renditechancen Hoch Mittel bis hoch Eher geringer
    Wertschwankungen Hoch möglich Möglich Je nach Garantie reduziert
    Anlageauswahl Umfangreich Stark begrenzt Anbieterabhängig
    Eigene Entscheidungen Viele Wenige Wenige bis mittlere
    Kostenbegrenzung Kein einheitlicher Standarddeckel Maximal 1 Prozent Effektivkosten jährlich Anbieter- und produktabhängig
    Geeignet für Chancenorientierte Anleger Anleger mit Wunsch nach Einfachheit Sicherheitsorientierte Anleger
    Beratungsbedarf Eher hoch Eher gering bis mittel Mittel bis hoch
    Langfristiges Renditepotenzial Am höchsten Gut Durch Garantie eingeschränkt

     

    Grundzulage

    Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr zahlt der Staat für jeden eingezahlten Euro eine Zulage von 50 Cent.

    Damit können auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag bis zu 180 Euro staatliche Förderung entfallen.

    Für den darüber hinausgehenden Eigenbeitrag bis zu insgesamt 1.800 Euro pro Jahr beträgt die Zulage 25 Cent je eingezahltem Euro.

    Insgesamt kann dadurch eine Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr erreicht werden.

    Beispiel

    Eigener Jahresbeitrag: 1.800 Euro

    Förderung für die ersten 360 Euro:

    360 Euro × 50 Prozent = 180 Euro

    Förderung für die weiteren 1.440 Euro:

    1.440 Euro × 25 Prozent = 360 Euro

    Gesamte Grundzulage:

    180 Euro + 360 Euro = 540 Euro

    Damit fließen bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro insgesamt 2.340 Euro in den Altersvorsorgevertrag.

    Kinderzulage

    Familien werden zusätzlich gefördert.

    Die Kinderzulage beträgt 300 Euro pro Kind und Jahr. Die volle Kinderzulage soll bereits bei einem eigenen monatlichen Beitrag von 25 Euro erreicht werden können.

    Beispiel mit zwei Kindern

    Eigener Jahresbeitrag: 1.800 Euro

    Grundzulage: 540 Euro

    Kinderzulagen: 2 × 300 Euro = 600 Euro

    Gesamte jährliche Förderung: 1.140 Euro

    In diesem Beispiel würden bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro insgesamt 2.940 Euro pro Jahr für die Altersvorsorge verwendet.

    Ob die volle Zulage im konkreten Einzelfall erreicht wird, muss anhand der persönlichen Voraussetzungen geprüft werden.

    Berufseinsteigerbonus

    Wer vor dem 25. Geburtstag einen förderfähigen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhält zusätzlich einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.

    Zusätzliche Einzahlungen

    In einen geförderten Altersvorsorgevertrag können insgesamt bis zu 6.840 Euro pro Jahr eingezahlt werden.

    Die unmittelbare Zulagenförderung steigt jedoch nicht unbegrenzt mit. Die maximale Grundzulage wird bereits bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro erreicht.

    Ob und in welcher Höhe zusätzliche Beiträge steuerlich berücksichtigt werden, hängt von der individuellen steuerlichen Situation ab.

    Wer kann die neue Förderung nutzen?

    Der Kreis der förderberechtigten Personen wird gegenüber der bisherigen Riester-Förderung erweitert.

    Neben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sollen künftig auch folgende Personengruppen von der Förderung profitieren können:

    • Selbstständige,
    • Freiberufler,
    • Gewerbetreibende.

    Damit wird die staatlich geförderte private Altersvorsorge für deutlich mehr Menschen geöffnet.

    Die konkrete Förderberechtigung sollte dennoch immer individuell geprüft werden.

    Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

    Bestehende Riester-Verträge werden durch die Reform nicht automatisch beendet.

    Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, kann diesen grundsätzlich weiterführen und weiter besparen. Es gibt keine automatische Kündigung und keine automatische Übertragung in ein Altersvorsorgedepot.

    Ab dem 1. Januar 2027 können jedoch keine neuen Verträge mehr nach dem bisherigen Riester-Modell abgeschlossen werden.

    Ein freiwilliger Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag in ein neues Altersvorsorgeprodukt ist möglich. Ob ein Wechsel wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Altvertrag ab.

    Vor einem Wechsel sollten insbesondere folgende Punkte geprüft werden:

    • vorhandene Garantien,
    • bisher erworbene Rentenansprüche,
    • Abschluss- und Vertriebskosten,
    • laufende Vertragskosten,
    • vorhandenes Vertragsguthaben,
    • Fonds und Anlagestrategie,
    • mögliche Wechselkosten,
    • verbleibende Vertragslaufzeit,
    • steuerliche Folgen,
    • Höhe bereits erhaltener Zulagen.

    Ein älterer Vertrag sollte nicht allein deshalb gekündigt oder übertragen werden, weil ein neues Produkt moderner erscheint.

    Wie wird das Geld im Alter ausgezahlt?

    Auch die Auszahlungsphase wird flexibler.

    Neben einer lebenslangen Rentenzahlung sollen künftig auch sogenannte Zeitrenten möglich sein. Dabei wird das vorhandene Kapital über einen festgelegten Zeitraum ausgezahlt.

    Grundsätzlich kommen damit unterschiedliche Auszahlungsmodelle infrage:

    Lebenslange Rente

    Das angesparte Kapital wird in eine lebenslange monatliche Rente umgerechnet.

    Der Vorteil liegt darin, dass die Zahlung unabhängig davon erfolgt, wie alt die versicherte Person wird.

    Zeitrente

    Das Kapital wird über einen festgelegten Zeitraum ausgezahlt.

    Dadurch kann die monatliche Auszahlung höher ausfallen als bei einer lebenslangen Rente. Nach Ablauf des vereinbarten Zeitraums endet die Zahlung jedoch.

    Kombination verschiedener Auszahlungsformen

    Je nach Produkt können möglicherweise unterschiedliche Auszahlungsvarianten miteinander verbunden werden.

    Welche Auszahlungsform geeignet ist, hängt unter anderem von der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersversorgung, weiteren Kapitalanlagen, dem Gesundheitszustand und der gewünschten finanziellen Flexibilität ab.

    Welche Rolle spielen die Kosten?

    Die Kosten haben bei einer langfristigen Altersvorsorge einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis.

    Bereits kleine Unterschiede bei den jährlichen Kosten können sich über Laufzeiten von 20, 30 oder 40 Jahren deutlich auf das spätere Vertragsvermögen auswirken.

    Wichtige Kostenarten können sein:

    • Abschluss- und Vertriebskosten,
    • Verwaltungskosten,
    • Depotgebühren,
    • Fondskosten,
    • Transaktionskosten,
    • Kosten für Umschichtungen,
    • Kosten der späteren Verrentung,
    • Kosten bei einem Anbieterwechsel.

    Beim Standarddepot sind die Effektivkosten gesetzlich auf maximal 1 Prozent pro Jahr begrenzt. Diese Grenze bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jedes Standarddepot tatsächlich 1 Prozent kosten muss. Günstigere Angebote sind möglich.

    Ein sorgfältiger Vergleich bleibt deshalb wichtig.

    Renditechance oder Garantie – was ist wichtiger?

    Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

    Eine hohe Garantie klingt zunächst attraktiv. Sie kann jedoch dazu führen, dass ein größerer Teil der Beiträge in sicherheitsorientierte Anlagen investiert werden muss.

    Dadurch sinkt häufig der Anteil, der langfristig in Aktien oder andere renditestärkere Kapitalanlagen investiert werden kann.

    Ein Vertrag ohne Garantie kann dagegen stärkere Wertschwankungen aufweisen. Bei einem langen Anlagehorizont besteht jedoch mehr Spielraum, Kapitalmarktschwankungen auszusitzen.

    Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage:

    „Wie sicher ist mein eingezahltes Kapital?“

    Ebenso wichtig ist die Frage:

    „Wie hoch ist meine voraussichtliche Kaufkraft im Ruhestand?“

    Eine nominale Garantie schützt nicht automatisch vor Inflation. Selbst wenn am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen, kann deren Kaufkraft über mehrere Jahrzehnte deutlich gesunken sein.

    Warum die Laufzeit entscheidend ist

    Je länger die verbleibende Zeit bis zum Ruhestand ist, desto eher können zwischenzeitliche Kapitalmarktschwankungen ausgeglichen werden.

    Eine Person mit noch 35 Jahren bis zur Rente kann deshalb häufig eine andere Anlagestrategie wählen als eine Person, die bereits in fünf Jahren in den Ruhestand gehen möchte.

    Mit zunehmendem Alter kann es sinnvoll sein, Risiken schrittweise zu reduzieren. Dieses Vorgehen wird häufig als Ablaufmanagement oder Lebenszyklusstrategie bezeichnet.

    Dabei wird das Kapital zunächst stärker renditeorientiert und später zunehmend sicherheitsorientiert investiert.

    Eine solche Strategie kann helfen, das Risiko eines starken Kursrückgangs unmittelbar vor dem geplanten Rentenbeginn zu reduzieren.

    Steuerliche Behandlung

    Das Altersvorsorgedepot ist kein gewöhnliches Wertpapierdepot.

    Innerhalb eines normalen privaten Depots können auf Ausschüttungen, Zinsen und realisierte Kursgewinne Steuern anfallen.

    Bei einem geförderten Altersvorsorgevertrag bleiben die Erträge während der Ansparphase grundsätzlich innerhalb des Vertrags steuerlich geschützt. Dadurch kann das gesamte Kapital weiter für die Altersvorsorge arbeiten.

    Im Gegenzug werden die späteren Leistungen grundsätzlich nachgelagert besteuert.

    Die konkrete steuerliche Belastung hängt unter anderem ab von:

    • der gewählten Auszahlungsform,
    • der Höhe der späteren Leistungen,
    • den weiteren Einkünften im Ruhestand,
    • dem persönlichen Steuersatz,
    • den zum Auszahlungszeitpunkt geltenden steuerlichen Regelungen.

    Eine individuelle Steuerberatung wird durch eine Altersvorsorgeberatung nicht ersetzt.

    Ist das Altersvorsorgedepot pfändungssicher?

    Geförderte Altersvorsorgeverträge unterliegen besonderen gesetzlichen Voraussetzungen. Das angesparte Kapital ist für die Altersvorsorge bestimmt und kann nicht wie frei verfügbares Vermögen behandelt werden.

    Der konkrete Pfändungs-, Verwertungs- und Insolvenzschutz hängt jedoch von der Vertragsgestaltung und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.

    Insbesondere bei Selbstständigen und Unternehmern sollte deshalb genau geprüft werden,

    • ob der Vertrag zertifiziert ist,
    • wann ein Zugriff auf das Kapital möglich ist,
    • ob eine Beleihung ausgeschlossen ist,
    • welche Regelungen im Insolvenzfall gelten,
    • welche Auswirkungen eine vorzeitige Vertragsbeendigung hätte.

    Kann man vorzeitig auf das Geld zugreifen?

    Das Altersvorsorgedepot ist für die Altersvorsorge vorgesehen und kein frei verfügbares Tagesgeld- oder Wertpapierdepot.

    Eine vollständige freie Entnahme während der Ansparphase ist deshalb grundsätzlich nicht vorgesehen.

    Wer gefördertes Kapital vorzeitig entnimmt oder den Vertrag förderschädlich beendet, muss regelmäßig mit finanziellen und steuerlichen Folgen rechnen. Dazu können insbesondere die Rückzahlung von Zulagen und die Nachversteuerung bisheriger Vorteile gehören.

    Für kurzfristige Rücklagen und Notfälle sollte deshalb zusätzlich frei verfügbares Vermögen vorhanden sein.

    Altersvorsorgedepot oder normales ETF-Depot?

    Beide Varianten können für die Altersvorsorge eingesetzt werden. Sie verfolgen jedoch unterschiedliche Konzepte.

    Merkmal Altersvorsorgedepot Normales ETF-Depot
    Staatliche Zulagen Ja, bei Förderberechtigung Nein
    Steuerliche Förderung der Beiträge Möglich Nein
    Besteuerung während der Ansparphase Innerhalb des Vertrags steuerlich begünstigt Laufende steuerliche Regelungen des Privatdepots
    Freie Verfügbarkeit Eingeschränkt Grundsätzlich jederzeit
    Produktauswahl Gesetzlich und vertraglich begrenzt Sehr große Auswahl
    Verwendung Altersvorsorgegebunden Frei
    Auszahlung Nach gesetzlichen Vorgaben Frei wählbar
    Vorzeitige Entnahme Regelmäßig förderschädlich Grundsätzlich möglich
    Kosten Anbieterabhängig Anbieterabhängig
    Vererbung Vertrags- und gesetzesabhängig Depotvermögen grundsätzlich vererbbar

    In vielen Fällen muss die Entscheidung nicht zwingend „entweder oder“ lauten.

    Eine Kombination kann sinnvoll sein:

    • gefördertes Altersvorsorgedepot für die staatliche Förderung,
    • normales ETF-Depot für zusätzliche Flexibilität,
    • betriebliche Altersversorgung für Arbeitgeberleistungen und Steuer- beziehungsweise Sozialversicherungsvorteile,
    • Liquiditätsreserve für kurzfristige Ausgaben.

    Altersvorsorgedepot und betriebliche Altersversorgung

    Das Altersvorsorgedepot gehört zur privaten Altersvorsorge. Es ersetzt nicht die betriebliche Altersversorgung.

    Bei der betrieblichen Altersversorgung können Arbeitgeberbeiträge, Entgeltumwandlung sowie steuerliche und teilweise sozialversicherungsrechtliche Vorteile genutzt werden.

    Das Altersvorsorgedepot wird dagegen privat abgeschlossen und über persönliche Beiträge sowie staatliche Zulagen gefördert.

    Beide Systeme können sich ergänzen.

    Eine sinnvolle Reihenfolge kann beispielsweise sein:

    1. Arbeitgeberfinanzierte Leistungen nutzen.
    2. Fördermöglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung prüfen.
    3. Staatliche Förderung des Altersvorsorgedepots berechnen.
    4. Zusätzliche flexible Kapitalanlagen aufbauen.
    5. Gesamte Versorgungslücke regelmäßig kontrollieren.

    Welche Reihenfolge wirtschaftlich am besten ist, hängt von der persönlichen und beruflichen Situation ab.

    Was passiert mit dem Depot bei einem Anbieterwechsel?

    Der Wechsel zwischen Anbietern soll gegenüber dem bisherigen System erleichtert werden.

    Trotzdem sollten vor einem Wechsel folgende Punkte verglichen werden:

    • Wechselkosten,
    • Verkaufskosten vorhandener Anlagen,
    • mögliche Übertragung von Fondsanteilen,
    • neue Vertragskosten,
    • neue Fondsauswahl,
    • Garantien des bisherigen Vertrags,
    • Verlust von Sonderkonditionen,
    • Dauer der Kapitalübertragung,
    • Zeitraum außerhalb des Kapitalmarkts.

    Ein günstigerer Anbieter ist nicht automatisch die bessere Lösung, wenn beim Wechsel wertvolle Garantien oder Vertragsvorteile verloren gehen.

    Chancen des Altersvorsorgedepots

    Das neue System bietet mehrere wichtige Chancen:

    Mehr Kapitalmarktbeteiligung

    Durch den Verzicht auf eine vollständige Beitragsgarantie kann ein größerer Teil des Kapitals langfristig renditeorientiert investiert werden.

    Höhere staatliche Förderung

    Die neue Grundzulage kann bis zu 540 Euro pro Jahr betragen. Familien können zusätzlich Kinderzulagen erhalten.

    Zugang für Selbstständige

    Auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende werden in den Kreis der Förderberechtigten aufgenommen.

    Mehr Auswahl

    Anleger können zwischen renditeorientierten Depots, vereinfachten Standardprodukten und Garantieprodukten wählen.

    Flexiblere Auszahlungsphase

    Neben lebenslangen Renten sollen auch zeitlich befristete Rentenzahlungen angeboten werden.

    Bessere Vergleichbarkeit

    Insbesondere das Standarddepot soll durch einheitliche Vorgaben und eine Kostenbegrenzung leichter vergleichbar werden.

    Risiken und offene Punkte

    Trotz der Vorteile ist das Altersvorsorgedepot kein risikoloses Produkt.

    Zu beachten sind insbesondere:

    • Schwankungen der Kapitalmärkte,
    • Verlustrisiken bei garantiefreien Anlagen,
    • Inflationsrisiken bei zu sicherheitsorientierter Anlage,
    • unterschiedliche Kosten der Anbieter,
    • eingeschränkte Verfügbarkeit des Kapitals,
    • spätere Besteuerung der Leistungen,
    • mögliche Änderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen,
    • unterschiedliche Qualität der angebotenen Fonds,
    • Risiko einer ungeeigneten Anlagestrategie,
    • mögliche Nachteile bei einem vorschnellen Wechsel aus einem Altvertrag.

    Auch ein staatlich gefördertes Produkt ist nicht automatisch für jede Person geeignet.

    Welche Variante passt zu mir?

    Das individuelle Altersvorsorgedepot kann passen, wenn …

    • Sie langfristig investieren,
    • höhere Wertschwankungen akzeptieren,
    • eine hohe Aktienquote wünschen,
    • Ihre Kapitalanlage selbst auswählen möchten,
    • Renditechancen wichtiger als Garantien sind.

    Das Standarddepot kann passen, wenn …

    • Sie eine einfache Lösung suchen,
    • Sie keine umfangreiche Fondsauswahl treffen möchten,
    • Sie Wert auf begrenzte Kosten legen,
    • Sie trotzdem am Kapitalmarkt investieren möchten,
    • Sie ein leicht verständliches Produkt bevorzugen.

    Das Garantieprodukt kann passen, wenn …

    • Ihnen Planungssicherheit besonders wichtig ist,
    • Sie Verluste zum Rentenbeginn weitgehend vermeiden möchten,
    • Sie nur eine geringe Risikobereitschaft besitzen,
    • Sie sich bereits näher am Renteneintritt befinden,
    • Sie bereit sind, für die Garantie geringere Renditechancen zu akzeptieren.

    Das Altersvorsorgedepot bietet staatliche Förderung und steuerliche Vorteile, ist dafür aber weniger flexibel. Ein normales ETF-Depot ist frei verfügbar, erhält jedoch keine vergleichbare staatliche Zulagenförderung.

    Beratung zum Altersvorsorgedepot

    Die Wahl eines Altersvorsorgeprodukts sollte nicht allein anhand der höchsten Zulage oder der niedrigsten Garantie getroffen werden.

    Entscheidend ist, wie das Produkt in Ihre gesamte Altersvorsorgeplanung passt.

    In einer persönlichen Beratung prüfen wir unter anderem:

    • Ihre voraussichtliche Rentenlücke,
    • Ihre gesetzliche Rentenversicherung,
    • bestehende Riester- oder Rürup-Verträge,
    • Ihre betriebliche Altersversorgung,
    • bestehende Fonds- und ETF-Anlagen,
    • Ihre staatliche Förderung,
    • die Auswirkungen der Kinderzulagen,
    • Ihre persönliche Risikobereitschaft,
    • Ihre gewünschte Auszahlungsform,
    • die Kosten der verfügbaren Angebote,
    • die passende Aufteilung zwischen Sicherheit und Renditechance.

    Sie erhalten dadurch keine isolierte Produktempfehlung, sondern eine auf Ihre persönliche Situation abgestimmte Vorsorgestrategie.

    Fazit: Mehr Möglichkeiten bedeuten auch mehr Beratungsbedarf

    Das Altersvorsorgedepot kann die private Altersvorsorge deutlich verändern.

    Erstmals können staatliche Förderung und eine weitgehend freie Kapitalmarktanlage miteinander verbunden werden. Gleichzeitig bleiben Garantieprodukte für sicherheitsorientierte Anleger erhalten.

    Das individuelle Altersvorsorgedepot bietet die größten Renditechancen und Gestaltungsmöglichkeiten.

    Das Standarddepot bietet eine vereinfachte Lösung mit begrenzten Kosten.

    Das Garantieprodukt bietet eine höhere Planungssicherheit, kann dafür aber geringere Renditechancen aufweisen.

    Welche Variante am besten geeignet ist, kann nur anhand der persönlichen Gesamtsituation entschieden werden.

    Lassen Sie deshalb vor Vertragsabschluss oder vor einem Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag Ihre individuelle Förderung, die Kosten und die langfristigen Leistungen vergleichen.